von a-z impressum haftungsausschluss

vom dunkel ins licht


mag. wolfgang bopp - kunsthistoriker


das umschreibt in wenigen worten die sichtbare zentralaussage der installation „ integration“ von marcus schatz.


auf den ersten blick von erschütternder eindringlichkeit, transportiert sie bei näherer betrachtung eine aussage im aktuellen gesellschaftlichen kontext, die positiver nicht sein könnte.am fuß der zweigeteilten arbeit sehen wir eine figur, klein und zusammengekauert im schatten einer riesigen weinflasche, links und rechts flankiert von zwei aufeinander gestapelten kisten, die der künstler nach den vorbildern der originale aus früheren zeiten gefertigt hat. das individuum, gleichsam unentrinnbar eingeschlossen in das verlies seiner es erniedrigenden abhängigkeiten und verstrickungen. niedergedrückt, einsam, hoffnungslos, gelähmt fristet es ein dasein im dunkel. die situation scheint ausweg- und aussichtslos. dennoch ist rettung möglich. im oberen teil der arbeit ist das dunkel aufgelöst. ohne die gefahr des rückfalls dorthin auszuschließen, schafft es die gestalt bis nach oben zum licht. rettung ist möglich. dennoch lauert auch hier die gefahr des erneuten verhängnisses. dünne linien, fäden bilden ein geflecht aus erneuten versuchungen und gefahren. einmal in ihnen gefangen, ist der rückfall unausweichlich. dem gilt es auszuweichen und unter aufbietung der mehr und mehr schwindenden kräfte zu widerstehen. doch selbst am ende des weges besteht die möglichkeit erneuter gefahr. die stufen, welche die figur mit letzter kraft zu überwinden versucht, scheinen zum podest mit dem schafott zu führen. sinnbild eines unausweichlichen, brutalen endes allen lebens. nicht jedoch in diesem bild. denn ausgerechnet hier, am ort des todes, wartet die ersehnte hilfe in gestalt vier dort hängender krücken.
werden sie erreicht, wendet sich alles zum guten. dem entkräftenden, am boden kriechenden körper wird der aufrechte gang, symbol der menschenwürde, zurückgegeben. und über allem das kreuz als zeichen der umfassenden erlösung. es gibt ein entrinnen aus dem dunkel der hoffnungslosigkeit, auch wenn der weg mühsam und gefährlich ist.


marcus schatz hat ein objekt geschaffen, voller narrativer aussagekraft und symbolischer dichte. jedes element wurde in bedeutungszusammenhang und symbolwirkung eingefügt. beginnend von der vertikalen konzeption über materialien und formen. so ist die vertikalität für die aussage entscheidend.
sie findet ihre entsprechung schon in der christlichen > heils- und erlösungsikonographie < des mittelalters. auf beschwerliche weise erklimmen dort die seelen die himmelsleiter um unter vielen gefahren das ziel der erlösung und des ewigen lebens zu erreichen. immer wieder drohen auch hier versuchungen, die den zum heil strebenden vom weg abzubringen suchen. dann droht der tiefe fall in die ewige verdammnis.


marcus schatz hat dieses thema sowohl formal als auch inhaltlich in einen aktuellen bezug gesetzt.
zur anwendung kamen hierbei vornehmlich materialien aus der umgebung des künstlers, die für ihn selbst von bedeutung sind. die weinkisten (gasthaus sonne) etwa originalgetreu aus holz nachgebaut oder die jutefiguren, gefertigt aus einem sack, der einst mehl (gasser mühle) enthielt,…. stoffe der natur, stoffe des lebens. nur so hat der künstler die eindringlichkeit der aussage sicherstellen können. er bewegt sich so in einer langen tradition. alles verwendete und gestaltete hat eine tiefere bedeutung. der künstler stellt sich die aufgabe den zusammenhang herzustellen und so eine aussage zu machen. marcus schatz hat diese aufgabe in zunächst bedrückender, dann beeindruckender form gelöst.




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